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Die letzte geologische Ära, das Quartär, begann vor zwei Millionen Jahren. Es wird in zwei ungleich lange Abschnitte unterteilt, die Pleistozän und Holozän genannt werden. Letzteres umfasst den urgeschichtlichen und den historischen Zeitraum, also auch unsere Zeit. Das viel längere Pleistozän zeichnet sich aus durch die grossen Vergletscherungen. Eine allgemeine Abkühlung bewirkte, dass sich zuerst an den Polkappen, dann im Hochgebirge und schliesslich auch in den Tälern Gletscher bildeten. Innerhalb dieses Eiszeitalters traten aber auch merkbare Klimaschwankungen auf, sodass Kalt- und Warmzeiten sich aufeinander folgend ablösten.

Die Gletscher breiteten sich in arktischen Regionen früher aus als in den gemässigten Zonen. Weite Gebiete nahe den Tropen und unter dem Äquator blieben eisfrei. Wie lassen sich die Klimaveränderungen, das eigentliche Kernproblem des Quartärs, verfolgen?

Um die Frage zu beantworten, haben Spezialisten eine geschickte Methode entwickelt, die darin besteht aus Torf, Ton und Seekreide Pollenkörner zu extrahieren. Aus einer Bodenprobe von wenigen Gramm lassen sich Hunderte von Pollenkörnern herauslösen. Mit ihnen kann man bestimmen, welche Bäume die Ufer der Moore und Seen säumten. Wenn man das weiss, kann man die ganze Vegetation rekonstruieren, die den Boden zur Zeit seiner Bildung bedeckte. Analysiert man mehrere Proben aus aufeinander folgenden Schichten einer Grabung oder eines Bohrkerns durch einen ehemaligen Seeoder Moorboden, kann man die jeweils vorherrschenden Pollenarten aufzeichnen. Daraus kann man die Waldgeschichte und angenähert auch den Klimaverlauf in der untersuchten Region ableiten. Diese Technik, Palynologie genannt, ist die ergiebigste zum Studium des Quartärs. Zahlreiche Pollendiagramme (palynologische Diagramme) wurden im Wallis von Studenten des Botanischen Institutes der Universität Bern aufgenommen.

Das Quartär wird noch durch ein weiteres wichtiges Ereignis ausgezeichnet: durch die Entwicklung des Menschen. Darum sind noch weitere Forscher, vorallem Prähistoriker und Archäologen, am Quartär interessiert. Zwischen ihnen und Geologen werden wichtige Informationen über das Quartär ausgetauscht.

Archäologen arbeiten zur Bestimmung absoluten Alters mit der Karbon-14-Methode (C14). Das ist eine von mehreren Methoden, die auf dem radioaktiven Zerfall instabiler Atomkerne, in diesem Falle des Kohlenstoffisotopes C14, beruhen. Dessen Gehalt nimmt im Kohlenstoff fossiler Organismen im Verlauf der Zeit gesetzmässig ab, wie schon auf Seite 35 erklärt wurde. Leider gestattet die C14-Methode nicht viel weiter zurück zu datieren als auf etwa 30'000 Jahre. Doch das Quartär dauerte 2 ma.Was sich geologisch im Quartär abspielte, geschah in relativ kurzen Zeiträumen. Vorher war die Zeiteinheit eine Million Jahre, im Quartär rechnet man zuerst mit 100'000 Jahren. Je näher man der Jetztzeit rückt, umso enger wird der Massstab. Von 10'000 Jahren nimmt er ab auf 1000 Jahre, um schliesslich in denjenigen der Archäologen überzugehen. Diese Verengung der Zeitmassstäbe ist keineswegs geologisch begründet, sondern ist eine rein praktische Massnahme, weil man immer mehr Detailkenntnisse gewinnt, je mehr man sich der Gegenwart nähert.

Das Quartär wird deshalb auch in zwei Abschnitte unterteilt. Der erste heisst Pleistozän. Er schliesst alle Eiszeiten ein. Der zweite ist das wesentlich kürzere Holozän. Die Grenze zwischen beiden kann man sich leicht merken. Sie liegt bei 10'000 Jahren BP (BP = beforeprésent) oder bei 8000 v.Chr.


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