Feuchtgebiete

Aus Wikiwallis

Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 94 - "Le Verney" und seine Tümpel bei Martigny, mit den Flaumeichenbeständen der Follatères als Hintergrund. Durch die Kiesgewinnung wurde da und dort der Grundwasserspiegel freigelegt. Es entstanden künstliche, Baggerweiher genannte Wasserflächen. Mehrere Faktoren begünstigen hier das Aufkommen einer interessanten Flora: wenig tiefes Wasser, flache Ufer und feine Böden.

Feuchtgebiete gibt es untet vieletlei Gestalt: Seen, Weiher, Tümpel, bewaldete Moorlandschaften, Rieder, Hochmoore, Röhrichte, Feuchtwiesen, Quellfluren, Suonen, Entwässerungsgräben. Auf den ersten Blick scheinen sie weniget attraktiv als der Blumenreichtum der Trockenwiesen oder alpiner Rasen. Doch ist das Wasser Lebensquell. Wo es auftaucht, spriesst Leben. Das Wasset springt, gurgelt, stürzt felsabwärts, ruht. Kalt oder lauwarm, sauer oder kalkhaltig, rein oder verschmutzt, in Strömen fliessend oder leise rieselnd, stets spendet es Leben für eine spezialisierte, örtlich eng begrenzte, ausseist vielfältige Pflanzenwelt. Im Wallis sind die Feuchtgebiete umso interessanter, als sie in vielerlei Höhenlagen anzutreffen sind.

Abb. 95 - Weiher der Alten Rhone in der Ebene von Leuk; diese Flussaue bildet einen der reichsten Standorte für die Wasserflora im Wallis.

Unsere Vorfahren bezahlten manchmal das Errichten von Suonen, welche das Wasser bis in die Dörfer und Kulturen brachten, mit dem Leben. Den Feuchtgebieten gaben sie sinnvolle Namen: La Maraîche (Salvan, Plex), Les Marécottes, Les Maretsons (Fully), Les Moilles (Saillon und Val d'Illiez), Moos (Ernen), Moosalp (Törbel); Le Louché (Lens), Ouché (Nendaz), Luché, Lucel, Lucet (von "lac" abgeleitet; Goillet, Gouilly, Goilli, Golasson (von "gouille", Tümpel). Wasser ist für unser eigenes Gleichgewicht lebensnotwendig. Seine Wucht mag uns bisweilen erschrecken; oft indessen beruhigt es und vermittelt uns eine friedliche Stimmung. Schon als kleiner Knirps lauschte ich dem Murmeln des Wassers in der Suone, die unweit unserer Maiensäss vorbeifloss. Wie manche Stunden verbrachte ich spielend im Wasser! Die Leitung ist verschwunden; meinen Kindern bleibt nur mehr der Traum.

Seit dem Aufkommen der Technik wurden die Feuchtgebiete systematisch drainiert und zugeschüttet, sodass sie nicht einmal mehr 1% ihrer früheren Fläche einnehmen! So sind mehrere Dutzend seltener Pflanzen aus unserem Kanton verschwunden. Und auch die allerletzten Feuchtgebiete werden noch für allerlei Baupläne begehrt. Vergessen wir nicht: die Moore lieferten für unsere Gärten und Gemüsekulturen die beste Erde, sie trugen dazu bei, das Klima trockener Gebiete angenehmer und gesünder zu gestalten, sie stellten wertvolle Wasserreserven dar, sie beherbergen heute noch eine Vielzahl von bedrohten Lebewesen, denen kein anderes Refugium offensteht.

Bitte, zögern Sie nicht: schlüpfen Sie in Ihre Stiefel und steigen Sie behutsam in einen Sumpf! Sie beobachten an der Vegetation den Übergang vom festen Boden zur Wasserfläche, fragen sich, wie wohl der Torf entstanden sein mag, bleiben staunend stehen vor der Schönheit unbekannter Blumen, dringen in eine seltsame Welt, in welcher das Plätschern des Wassers, das Rascheln des Schilfs und Vogelgesang geheimnisvoll zusammklingen. Zögern Sie nicht ! Sie werden nicht enttäuscht sein !

Siehe auch



Persönliche Werkzeuge