Weitere Feuchtgebiete
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Neben offenen Gewässern, Riedern und Hochmooren gibt es weirere, eng begrenzte und äusserst eigenartige Feuchtgebiete, welche die Vielfalt der Flora und den Reiz der Pflanzenwelt vermehren. Wir meinen die Quellfluren, periodisch überschwemmte Flächen, und die Suonen.
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Quellfluren
Die Quellen schaffen ein besonderes Biotop: ihr reines, sauerstoffarmes Wasser gefriert im Winter meist nicht.
Die Springquellen führen recht viel Wasser. Der Bach scheint unmittelbar aus dem Berg zu fliessen, wie dies der Fall bei der Fontaine à Moïse oberhalb Collonges ist. Die feuchten Steine sind meist moosbedeckt. In den Niederungen wachsen in dieser Umwelt Hochstauden: der Blut-Weiderich, der Wasserdost, der Gewöhnliche Gilbweiderich. In der Höhe sind es kleinwüchsige Pflanzen: Bewimperter Steinbrech, Sternblütiger Steinbrech, Dotterblume, Bitteres Schaumkraut und Mierenblättriges Weidenröschen.
Die Sicker-Quellen führen wenig Wasser. Das Wasser rieselt ohne Druck aus dem Boden und speist oft ein Hangried. In den Wäldern der montanen Stufe wächst der Riesen-Schachtelhalm gern im Rieselwasser, in Begleitung von Ahornen und Eschen. Diese QuellflurGesellschaften, beherbergen einige typische Blumen. Kalksuchend, im Boden wie im Wasser, sind der Bewimperte Steinbrech, das Gemeine Fettblatt und das Alpen-Fettblatt. Auf saureren Böden findet man das Bittere Schaumkraut, den Sternblütigen Steinbrech, das Mierenblättrige Weidenröschen, sowie das Nickende Weidenröschen. Auf der alpinen Stufe bilden die Moose der Gattungen Bryum, Cratoneuron und Philonotis prächtige, goldgrün und braun gesprenkelte Mosaikteppiche. Die Zusammensetzung der Moosvegetation hängt unter anderem vom Säuregrad des Quellwassers, der Fliessgeschwindigkeit und der Höhenlage ab. In Quellmooren finden wir ausgedehnte, rotbraune bis schwarz-grüne Teppiche von beblätterten Lebermoosen wie Spatenmoosen (Scapania-Anen) oder Geldbeutelmoosen (Marsupella-Arten).
Periodisch überschwemmte Flächen
Die vom Hochwasser der Flüsse periodisch überfluteten und umgestalteten Schwemmgebiete bieten eine hochinteressante Flora an. In der Tat beherbergen diese Feuchtgebiete besonderer Art einjährige Pflanzen, deren Grösse zwischen 2 und 30 cm schwankt und deren Zyklus, nach Abfliessen des Wassers, sich in knapp zwei bis drei Monaten abspielt. Da kann man prächtige Enziangewächse entdecken, wie den Spätblühenden Bitterling (Abb. 111), das Kleine Tausendgüldenkraut, sowie Riedgräser: das Gelbliche und das Schwarzbraune Cypergras (Abb. 112). Beide ähneln, in viel kleinerer Ausgabe, dem als Zierpflanze gehaltenen Papyrus. Die Kröten-Binse ist so klein, dass sie leicht übersehen wird. Einige kräftige Arten vermögen der Entwurzelung durch das Wasser schlecht und recht entgegenzuwirken. Zum Beispiel die Seegrüne Binse, die Glänzendfrüchtige Binse, der Breitblättrige Rohrkolben, der seltene Kleine Rohrkolben mit seinen kugelförmigen Ährchen, dann auch die Silberweide, ein Pionierbaum, der viel zur Festigung des Bodens beiträgt.
Diese früher im Rhonetal weitverbreiteten Lebensräume beherbergten wertvolle Kleinode unserer Flora. Heutzutage hat der Mensch das Hochwasser weitgehend in den Griff bekommen. Es bleiben uns nur mehr wenige günstige Biotope: gewisse Rieder (Uvrier, Turtig), die Ufer weniger Baggerweiher (Pouta-Fontana bei Grône, Le Verney bei Martigny), Entsander von Wildbächen (Fully und Ecône), schliesslich noch die sandigen Ufer gewisser Flüsse (La Lienne bei St-Léonard, die Morge bergwärts der Kantonsstrasse, die Rhone beim Pfynwald).
Auf der montanen Stufe finden einjährige Pflanzen andere, zum Teil noch wenig erforschte Bedingungen vor: Radspuren in schlammigen Wegen, durch das Vieh im Frühjahr zertretene Hangrieder, feuchte, ohne Vertilgungsmittel bebaute Flächen. So kann man gelegentlich bis auf 1500 m in den Mayens de Conthey und in Arbaz Cypergras und Kleines Tausendgüldenkraut beobachten, die KrötenBinse bis 2000 m ü. M. in Arolla. In gewissen feuchten Feldern scheint das Umpflügen das unerwartete Auftauchen sehr seltener Arten zu begünstigen: der Gauchheil-Ehrenpreis und die Kugelfrüchtige Binse, 1987 im Wallis und in der Schweiz zum ersten Mal gesehen !
Suonen (Bewässerungskanäle)
Dank der Feuchtigkeit, die er verbreitet und dem Sickerwasser, ist die Suone von einer Menge Pflanzen begleitet: Grauerlen, Weiden, Esche, Gemeiner Schneeball, Sanddorn; Hochstauden wie Wilde Brustwurz, Blut-Weiderich und Pfeifengras. Im Sommer spenden diese grünen Wege dem Wanderer willkommenen Schatten und geben ihm vielleicht die Chance, den schönen SchwalbenwurzEnzian zu entdecken. Das Sickerwasser speist Hangrieder und bringt Feuchtigkeit in die Wälder. Auf diese Weise entstanden die ausgedehnten Grauerlenbestände an den unteren Hängen des Baltschiedertales. Versiegt das Wasser oder jagt man es durch Röhren, so verdorren die Bäume rasch; ganze Landschaften werden dadurch verändert.
Siehe auch

