Wiesen

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Kaum sesshaft geworden verschaffte sich der Mensch durch Rodungen die nötigen Flächen für Kulturen und Viehzucht. Sehr früh machte die Bewässerung der Trockengebiete eine Ertragssteigerung der Graswirtschaft möglich. Ohne das Wasser der Suonen wäre manche Halde nicht so grün.

Inhaltsverzeichnis

Suonen (Bewässerungskanäle)

Abb. 33 - Netz von Suonen in Unterstalden-Visperterminen.

In Ermangelung von Röhren und Galerien waren die Bewässerungskanäle (Dialekt: "Suonen"; Französisch: "bisses") die einzige Möglichkeit, das Wasser in die Trockenrasen zu führen. Um diese Kanäle zu erbauen und zu unterhalten waren riesige Anstrengungen nötig. Die Wasserrechte gaben immer wieder Anlass zu Streitereien. In allen Archiven ist die Rede vom Ausbessern oder Ersetzen von Kanälen. Die ältesten von ihnen gehen auf die Römerzeit, sogar auf die Eisenzeit zurück. Vor noch nicht allzu langer Zeit erreichten die Hauptkanäle eine Gesamtlänge von 1800 km. Sie waren in den Boden gegraben, in den Fels gehauen und stellten an Abgründen oder Felswänden tollkühne Bauwerke dar. Man betrachte, von den Höhen über Conthey, die Überreste der "Bisse de Savièse", an den Wänden des Prabé, oder die "Bisse du Roh" bei Crans. Entdecken Sie das Baltschiedertal und seine fünf bis sechs übereinander liegenden Kanäle! An den schwierigen Stellen floss das Wasser in Holzleitungen, die über dem Abgrund aufgehängt waren. Jedes Jahr mussten Männer Fronarbeit leisten, um die Fuhren wieder in Stand zu stellen. Unter Einsatz ihres Lebens behoben sie die über den Winter entstandenen Schäden und undichten Stellen. Ein Wasservogt war für die laufenden Ausbesserungen und die gerechte Verteilung des Wassers unter alle Besitzer verantwortlich. Wäre das Wasser ausgefallen, hätte es Hungersnot bedeutet. All dies ist nun Vergangenheit. Es bleiben uns noch reizvolle Spaziergänge längs einer ehemaligen Wasserleitung, auf schattigen, bequemen Wegen, den Hängen entlang. Mehr und mehr verschwindet das Wasser in unterirdische Röhren, die im Unterhalt weniger kosten.

Bewirtschaftung der Wiesen

In den Bergen ist Rinderzucht die einzige Möglichkeit den Boden zu nutzen. Je länger der Winter, desto grösser der Futterbedarf für das Vieh. Aus diesem Grunde nehmen die Mähwiesen im Wallis einen verhältnismässig bedeutenden Platz ein. Man findet sie vor allem in der Nähe der Dörfer, auf leicht zugänglichen Flächen. Man mäht bis auf 1300-1500 m hinauf, 1800 m sogar im Lötschental und im Val d'Hérens, im Zermattertal noch auf 2000 m. Als Weideflächen bleiben abschüssiges Gelände und die hohen Alpweiden. Gemäht wird meist in zwei Malen: Hauptschnitt im Juni-Juli, das Emd Ende August. Mit zunehmender Höhe nimmt der Ertrag deutlich ab, doch nehmen Blüten und Samen der Blättermasse gegenüber zu, was dem Futter eine besondere Qualität verleiht.Zu einer Zeit, wo die Transporte schwierig und umständlich waren, zog man es vor, das Vieh zu seinem Heu zu führen, nicht umgekehrt. So stand auf jeder Wiese ein Viehstall mit angebautem Heuschober. Im Winter zog das Vieh von einem zum anderen. Diese Gepflogenheit ist örtlich noch erhalten, namentlich im Oberwallis. Von weitem erscheint jede Scheune wie ein kleiner dunkler Punkt, der der Landschaft eine menschliche Dimension verleiht. Später werden wir von den Veränderungen, welche unsere Zeit mit sich brachte, reden.

Leuchtende Farbenpracht

Abb. 34 - Paradieslilien oberhalb Lens.

Steigen wir über die Rebberge hinauf, auf der Suche nach einer schönen Wiese ! Hiezu genügt es, einem dieser alten, schattigen Hohlwege zu folgen, die geradewegs den Hang überwinden. Im Frühling grünen die Wiesen als erste, noch vor den Bäumen. Welche Freude, Löwenzahn und Schlüsselblumen wieder zu finden! Den schönsten Augenblick jedoch erleben wir in den Juni-Wiesen, wenn der Wind in einem Meer von Farben bunte Wellen vor sich her treibt, die bis zu den verschneiten Gipfeln zu branden scheinen. Die blaue Wiesen-Salbei, die rosafarbene Esparsette, der gelbe Wiesen-Bocksbart, die purpurfarbene Feld-Witwenblume: nur Mähwiesen prangen in einer derartigen Vielfalt an grossen und prächtigen Blumen. Seltenheiten gibt es allerdings nicht. Die meisten Arten sind in der ganzen Schweiz verbreitet. Doch die Walliser Wiesen zeichnen sich durch ihre Ausdehnung, ihren Artenreichtum und ihre Schönheit aus. Von allen bewirtschafteten Böden ziehen sie am meisten Insekten, Vögel und andere interessante Lebewesen an.Verweilen wir einen Augenblick. Das Wasser murmelt in der Suone. Eine Grasmücke trällert ihr zartes Liedchen aus einer nahen Hecke. Die Grillen lassen sich kaum stören und setzen ihr eintöniges Gezirpe fort. Zarte Düfte mischen sich in den Geruch frischen Grases. Unser Blick durchforscht aufmerksam den Grasteppich. Auf wenigen Quadratmetern gibt es gut fünfzig Arten zu entdecken. Gewisse bleiben noch bescheiden im taufeuchten Wiesengrund versteckt: Wiesen-Hornklee, Niedriges Labkraut, Gemeine Kreuzblume, Arznei-Thymian. Wenig fehlte und man würde die Gräser vergessen, gut zehn an der Zahl. Sie machen den Hauptanteil des Futters aus. Ihre Ähren lassen zur Blütezeit nur paarig angeordnete Staubgefässe und kleine, Fruchtknoten und Narbe krönende Büschelchen erkennen.Gemäht wird meist, wenn das Gras schön reif ist, kurz bevor es vergilbt. Gewisse Pflanzen haben die Kraft, ein zweites Mal zu blühen, für das Emd. Dann kommt der Herbst, die Zeit der Heuschrecken. Zu Tausenden hüpfen sie vor unseren Schritten weg und schwirren nach allen Seiten. Ihr Zirpen erfüllt die Luft bis in die letzten schönen Novembertage. Diese Zeit haben die Blüten der Herbstzeitlose abgewartet, um sich zu öffnen. Eine schöne Wiese atmet Harmonie, Ausgewogenheit und Frieden. Sie wird für uns eigentliches Symbol füt Lebensqualität. Niemand kann dieser Harmonie gegenüber sich gleichgültig verhalten. Weder der Landwirt, noch der Imker, noch der Wanderer; vielleicht nicht einmal der Widerkäuer!

Wieseninventar

Abb. 35 - Aufrechte Trespe.

Keine Wiese gleicht der anderen. Gewisse sind reich an Blumen, andere arm. Herbstzeitlose und Löwenzahn wachsen nicht aufs Geratewohl. Eine aufmerksame Prüfung der Flora kann eine Menge interessanter Hinweise über den Wiesentyp, den Ttockenheitsgtad, die Fruchtbarkeit und die Güte des Unterhalts liefern. Solche Angaben ermöglichten die Herstellung von Karten im Massstab 1:10 000 für die Gesamtheit der Wiesen im Kanton ("Walliser Wieseninventar" 1983-1986, einzusehen in der Dienststelle füt Wald und Landschaft des Kantons Wallis). Die hiezu angewandte Arbeitsmethode wird am Schlüsse des Kapitels in Form einer im Gelände leicht verwendbaren Bestandesaufnahme erläutert. Auf diese Weise vermag jedermann sich mit den gängigen Wiesentypen vertraut zu machen, wie auch die Qualität einer Wiese abzuschätzen. Gegebenenfalls lernt er feststellen, was in ihr nicht mehr dem ursprünglichen Zustand entspricht.Der Grundsatz besteht darin, in der zu untersuchenden Wiese eine gleichmässig bewachsene Fläche von 25-30 nr auszuwählen und die darin vorkommenden Pflanzen zu notieren (siehe das Kapitel über die Arbeitsmethoden des Botanikets, Seite 38/9). Auf dem Merkblatt werden die Arten nach ihrer Vorliebe für einen bestimmten Feuchtigkeits- und Fruchtbarkeitsgrad des Bodens zusammengestellt (Zeigerwerte nach Landolt). So bezeichnen die Pflanzen der Gruppe A die trockensten und kärgsten, die unter E die fettesten Böden. Die Liste enthält auch einen Bestimmungsschlüssel, der es erlaubt, die Wiesentypen nach der Artenzahl in den verschiedenen Gruppen zu bestimmen. Zwischen den trockensten Steppentasen und den fetten, feuchten und fruchtbaren Wiesen befinden sich alle denkbaren Zwischenstufen. Dann kann die Interpretation einsetzen.

Trespenwiesen

Am Rande det Steppenrasen, auf relativ trockenem Boden, herrscht die Aufrechte Trespe vor (Abb. 35). Dieses wichtige Gtas erkennt man zu allen Jahreszeiten an den sehr feinen Härchen an den Blatträndern. Die Trespenwiesen entsprechen im Bestimmungsschlüssel den Kategorien "sehr trocken", "trocken und mager" und "halbtrocken und mager". Diese Wiesen finden sich meist auf gut exponierten, nicht bewässerten und massig gedüngten Hängen. Die regelmässige Mahd ermöglicht das Gedeihen einer überaus reichen und farbigen Flora, in welcher die Arten der Gruppe B vorherrschen: Wiesen-Salbei, Futter-Esparsette, Kartäuser-Nelke, Gelbes Labkraut... Am Rande zu den Steppenrasen können einige Pflanzen der Gruppe A auftauchen. Eine Bewässerung bringt eine gewisse Bereicherung an Elementen der Gruppen C und D.Trespenwiesen finden sich auch dort, wo heute verlassene, einst bewässerte Flächen, frühere Obstgärten oder Kulturen standen. Sie sind wenig ertragreich und werden immer mehr vernachlässigt. Das Gras vertrocknet, bildet einen filzigen Teppich, den die spriessenden Schosse immer schlechter zu durchstossen vermögen. Die Blütenpracht verliert dadurch an Vielfalt und Dichte. In dieser verarmten Form dehnen sich die Trespenwiesen im Kanton immer mehr aus.

Glatthaferwiesen

Abb. 36 - Fieder-Zwenke.

Auf weniger trockenem, fruchtbarerem Boden weicht die Trespe dem Glatthafer. Dieses Gras erkennt man an seinen hohen Halmen und seinen Ähren, deren kurze Grannen im Reifezustand sich nach allen Richtungen krümmen. Der Goldhafer, ein regelmässiger Begleiter des Glatthafers, unterscheidet sich von diesem durch kleineren Wuchs und gelbleuchtende Ähren.Die Glatthafer-Wiesen entsprechen meist gut unterhaltenen und ertragreichen Flächen. Im Mittelwallis werden sie bewässert. Eine regelmässig durchgeführte Mahd und eine ausgewogene Düngung erzeugen einen reichen, üppigen Blumenteppich. Die in Frage kommenden Arten gehören zur Kategorie D: Rotklee, Sauerampfer, Herbstzeitlose... Das Vieh schätzt eine übermässige Zahl an Klappertopf und Scharfem Hahnenfuss kaum, sind doch diese Arten in frischem Zustand giftig. An der Grenze zu trockenen Böden vermehren sich die Arten der Gruppen C und B, während an den unteren Teilen der feuchteren und fruchtbaren Hänge Pflanzen der Gruppe E vorherrschen.In den stark gedüngten Wiesen ändert sich die Lage: das Übermass an Dünger begünstigt die Vorherrschaft der Gruppe E, zum Nachteil der anderen Pflanzen. Solche Flächen erkennt man von weitem an ihrem Reichtum an Wiesen-Kerbel, ein Doldengewächs, das im Frühling die Wiese weiss färbt. In den künstlichen, eingesäten Wiesen, und im Rasen deuten Gänseblümchen und Kriechender Klee auf zuviel Dünger hin. In den Bergen, im feuchten Grund des Goms, zum Beispiel, kann der Schlangen-Knöterich dermassen überhand nehmen, dass der Wert des Futtergrases ernsthaft in Frage gestellt wird. Die Versuche, den Knöterich mit Chemie oder durch Umpflügen des Bodens auszumerzen, scheiterten bis anhin. Das Gleichgewicht zwischen Boden und Vegetation stellt sich immer wieder ein. Diese an Blumen verarmten Wiesen entsprechen recht bestimmten Bedingungen: Flachstellen, wo das Drainagewasser das Übermass an Dünger nicht zu evakuieren vermag; Böden, die zur massiven Gewinnung von Grünfutter reichlich gedüngt werden. Wo sind die Magerwiesen, wo deren farbige Blumenpracht geblieben ?

Bergwiesen

Von 1500 m an erfolgt, wenn überhaupt, nur noch eine Mahd. Wir stehen an der Grenze zu den Alpweiden, die sich bis zum alpinen Rasen erstrecken. Der Übergang zu den Bergwiesen erfolgt nach und nach. Die Niederschläge nehmen zu, die Trockenwiesen werden selten. Der Goldhafer gewinnt an Bedeutung. Die Begleitpflanzen der Trespe werden durch neue, lebhaft gefärbte ersetzt: Wald-Storchschnabel, Rote Waldnelke, Berg-Hahnenfuss, Rautenblättrige Glockenblume, Trollblume... Die Blütenkelche des FrühlingsKrokus, bald weiss, bald violett, gucken durch den schmelzenden Schnee hervor. Mit feinen Silbertröpfchen betupft der Tau die Blattränder des Gemeinen Frauenmantels.In den trockenen Zonen, an steilen Hängen mit starker Sonneneinstrahlung, weicht die Trespe der an ihrem hellen Grün erkennbaren Fieder-Zwenke (Abb. 36). Etwas höher sorgt die Horst-Segge für Ablösung. Der kurze Rasen schmückt sich im Sommer mit unzähligen Blumen: Rundköpfige Rapunzel, Gemeines Sonnenröschen, Orchideen, Wirbeldost...Das Abweiden verändert die Flora mehr oder weniger tiefgreifend. Die Doldengewächse und andere hohe Pflanzen gehen zurück. Zarte Arten, die den Verbiss schlecht überstehen, verschwinden. Hingegen nimmt die Zahl der Gräser, wie auch die aller Pflanzen zu, welche sich leicht aus dem Wurzelstock heraus regenerieren. Die vom Vieh verschmähten Arten sehen sich den anderen gegenüber bevorzugt. In einem bestimmten Masse ist dies an Trockenhängen für die Trespe, die Zwenke und den Walliser Schwingel der Fall, wie auch für das Borstgras in grosser Höhe. Wir werden bei der Charakterisierung der alpinen Stufe auf die Alpweidenflora zurückkommen.

Tafel XI

Bergwiesen in Flanmayens oberhalb Evolène

Gut unterhaltene Wiesen machen die Schönheit mancher Landschaft im Kanton aus. Die Mähwiesen reichen bis zur felsigen, vom Steppenrasen überwachsenen Kuppe, auf 1600 m Höhe. Die Terrassierungen am Südhang stammen aus der Zeit, als noch Roggen angepflanzt wurde.

Blick in die Zukunft

Die Berglandwirtschaft durchlebt eine Zeit tiefgreifender Umwälzungen. Die Landschaft von morgen dürfte dadurch nachhaltig verändert werden. In der Nutzung der Wiesen zeichnet sich eine doppelte Entwicklung ab: einerseits werden riesige Flächen brach gelassen, auf der anderen Seite wird auf den besseren Böden die Produktion intensiviert.

Nehmen wir als Beispiel eine Glatthafer-Wiese, die gemäht und durch eine Suone bewässert wird. Wird eine derartige Wiese aufgegeben, so trocknet sie aus und verwandelt sich in eine Trespen-Wiese. Die Obstbäume verkümmern. Das dürre Gras häuft sich zu einer filzigen Schicht auf, welche das Spriessen neuer Schosse erschwert. Auch wenn zahlreiche Arten sich zu halten vermögen: die Zahl der Blüten pro Quadratmeter nimmt ab. Das herrliche Schauspiel des farbigen Blumensegens im Juni ist vorbei ! Bei fortschreitender Vernachlässigung wird die Wiese zum Brachland. Vorübergehend kann das Erscheinen einer Trockenrasen-Vegetation ein gewisses Interesse wecken; doch es dauert nicht lange und Buschvegetation ist da, ein Vorbote der Rückeroberung durch den Wald. Um ein Minimum an Unterhalr zu sichern, lässt man das Vieh auf solchen Flächen weiden. Doch mag das Abweiden die Entwicklung nicht zu verhindern. Hinzu kommt, dass das Fehlen der Bewässerung die Gefahr der Überweidung heraufbeschwört; die Belastung durch das Vieh übersteigt oft die Widerstandskraft sich selbst überlassener Wiesen. Daraus ergeben sich neue Gleichgewichtsstörungen mit damit einhergehender schwerer Verarmung der Flora. Dies beobachtet man in gewissen Schafweiden im Oberwallis.Der andere Aspekt der Entwicklung: man intensiviert und rationalisiert die Produktion; in diesem Fall erhält unsere Wiese mehr Dünger. Die unbedeurenden Arten der Gruppe E gewinnen die Oberhand, die Flora verarmt. Die Mahd erfolgt häufiger — 3 bis 6 Mal im Jahr - und früher, oft schon im Mai. Das einzige, was zählt, ist die Menge an Grünfutter. Die Blumen haben keine Zeit mehr zum Blühen und sich den Insekten anzubieten. Vögel wie das Braunkehlchen, die Bodenbrüter sind, können sich nicht mehr vermehren bevor die Maschinen heranbrausen. Wo sollten sie übrigens noch Insekten finden? Einzig Stare und Drosseln fühlen sich noch wohl. Die althergebrachten Bewässerungsmethoden weichen den mächtigen Berieselungsanlagen, die eine Reichweite von bis zu 70 m haben. Unter solchen Bedingungen fällt es schwer, Hecken, Gebüsche und Vogelnester zu erhalten! Die Landschaft wird einförmig grün, die Flora gleichartig, auf ebenen Flächen, an den Borden, auf dünnen Böden, überall dasselbe.

Verzicht auf eine weitere Bewirtschaftung oder deren Intensivierung: dies sind also die beiden gegenläufigen Tendenzen. Anstatt auf wenigen Parzellen eine Höchstproduktion anzustreben, warum nicht die Kulturen auf den grossen zur Verfügung stehenden Flächen wiederaufnehmen ? Auch wenn man mit einem mittleren Ertrag sich begnügen müsste? Die Wirkung auf die Landschaft und die Vielfalt der Flora liesse nicht lange auf sich warten. Die Berglandwirtschaft hat das Glück, einen qualitativ hochstehenden Ertrag mitten in einer noch weitgehend natürlichen Umwelt zu erreichen. Verdiente sie in diesem Sinne nicht, eine bevorzugte Stellung einzunehmen und vermehrte Hilfe zu kriegen? Dies sind Fragen, die jedermann sich stellen sollte, wenn er nachdenklich das eintönige Grün des nächstgelegenen Rasens betrachtet.


Tafel XII

Die Wiesen und ihr Blumenreichtum

1. Trespenwiese — In dieser nicht bewässerten Trockenwiese in Lens bleibt der Pflanzenwuchs kurz. Man erkennt die Aufrechte Trespe (Gräser) mit ihren Begleitpflanzen: Kartäuser-Nelke (rosa), Kleine Bibernelle (weisse Dolden), Berg-Klee (weiss), Gemeines Sonnenröschen (gelb).

2. Bergwiese - In dieser Wiese auf den Höhen von Vouvry im Unterwallis spürt man die Trockenheit nicht. Die Vegetation ist üppig. Man erkennt typische Arten der montanen und subalpinen Stufen: Rote Waldnelke (Rand links, rosa), Wald-Vergissmeinnicht (hellblau) und Berg-Hahnenfuss (gelb).

3- Südalpine Tulpe — Diese seltene, aus dem Mittelmeetaum stammende Tulpe findet sich in einigen wenigen Wiesen des Oberwallis. Die Weinberg-Tulpe ist etwas häufiger und unterscheidet sich von jener durch das Fehlen der Rottöne an den Blütenrändern.

Tafel XIII

Unterhalt der Wiesen

1. Gut unterhaltene Mähwiese - Diese Glatthaferwiese, massvoll bewässert und gedüngt, liegt unterhalb von Verbier. Sie zeichnet sich durch eine reiche Blütenpracht aus. Die Blumen haben Zeit, vor der Mahd zu blühen und sich den Insekten anzubieten. Wir erkennen die Wiesen-Salbei (blau), die Futter-Esparsette (rosa), sowie die Begleitarten des Glatthafers: Feld-Witwenblume (violett, mit Biene), Zottiger Klappertopf (gelb), und Wiesen-Sauerampfer (links, rot).

2. Gedüngte Wiese - Nimmt die Düngerzufuhr zu, verliert die Glatthaferwiese Farbenpracht und Artenvielfalt. Man erkennt hier den Schlangen-Knöterich (rote Ähren), den Löwenzahl (Samen), den Rot-Klee (purpurrot). Bei der heutigen Gewohnheit, das Grünfutter 3-6 mal im Jahr zu mähen, haben die Blüten nicht einmal mehr Zeit, sich zu entfalten.

3- Sich selbst überlassene Wiese — Wird die Glatthaferwiese weder gemäht noch bewässert, verwandelt sie sich in eine blumenarme Trespenwiese. Büsche und Sträucher bilden die Vorboten einer Rückeroberung durch den Wald. Die Beweidung (untere Ecke links) vergrössert die Zahl der Blumenpflanzen kaum, vermag jedoch die Verbuschung etwas zu verlangsamen.

Siehe auch



Persönliche Werkzeuge